«manifest»


Im Juni 2001 lernte Editta Braun anläßlich einer Aufführung im Senegal Ibrahima Sene, einen Überlebenskünstler und Lehrer für Tai Chi und Karate im Industrieort Rufisque, südlich von Dakar kennen, holte ihn nach Österreich, «manifest» entstand.


Ausgangspunkt sind eine Streitschrift des Soziologen Manfred Wöhlcke über die unausweichliche Selbstvernichtung der Gattung Mensch und die Begegnung mit dem senegalesischen Kampf-Künstler Ibrahima Sene. Zum interkulturellen Projekt, mitteleuropäisches wissenschaftliches Denken mit afrikanischem Leben und fernöstlicher Philosophie zu konfrontieren, kommt die Mischung verschiedener Bühnendisziplinen (Tanz, Schauspiel, Martial Arts).

«manifest» entsteht 2002 in Toubaba Dialaw/Senegal und Salzburg

Schauspiel: Christoph Kail

Martial Arts: Ibrahima Sene

Tanz: Editta Braun

Textgrundlage: Manfred Wöhlcke: Soziale Entropie. Die Zivilisation und der Weg allen Fleisches. München: dtv, 1996.

Regie: Peter Arp, Textredaktion, Dramaturgie: Gerda Poschmann-Reichenau, Choreografische Assistenz: Lisa Hinterreithner, Lichtdesign: Thomas Hinterberger

In der Folge konterkariert Braun das diskursive Elaborat des Soziologen mit ihrer expressiven Körpersprache, bis der westliche Wissenschafter am Boden ringend seinen Text weiterröchelt. Er hat es nicht leicht, kommt doch der Afrikaner (Ibrahima Sene) ins Geschehen dazu, und irritiert dadurch, dass er anstelle des erwarteten Afro-Tanzes eher Deutungen fernöstlicher Bewegungssysteme unternimmt, Tai Chi etwa, oder in seiner Sprache auf den Soziologen einredet. Konfrontationen dreier Entitäten, der europäische, desillusionierte Rationalist, der animistisch-spirituelle Afrikaner und die

kosmopolitische Frau, deren Ausdruck die Körpersprache is“.

Austrian Press Agency, Mai 2003


Braun rebelliert gegen die Vertreibung aus dem Paradies. Neugierig, an die Grenzen gehend, beinahe wie eine Kasperlfigur, wagt sie es, sich gegen das Untergangs-Szenario des Soziologen aufzulehnen. Wagemutig und leichtfüssig umgarnt sie den Kopfdenker. Nicht ganz sicher, wohin sie will, nur sicher in dem, was sie will. Nämlich den Kopfmenschen des Westens mit dem Körpermenschen des Südens zusammenzuführen: Ibrahima Sene, der in sich ruhende, seinen Körper bis in die letzte Faser beherrschende Kämpfer, erscheint als Konterpart zum zappeligen, nervösen Soziologen, der mit sich und seinen Thesen hadert. Braun steht dazwischen. Zerrissen zwischen Verstand und Gefühl pendelt sie zwischen den Welten. Melancholisch wie ein Clown, ärgerlich wie Rumpelstilzchen und letztlich siegreich.

Ursula Schupfer in Salzburger Nachrichten, 5. Dezember 2002

Touring

Espace Sobo Badé, Toubab Dialaw/Senegal, showing, tanz_house festival Salzburg, Kaay Fecc Festival, Théâtre National Daniel Sorano, Dakar/Senegal, Théâtre 140 Brüssel, WUK - Werkstätten- und Kulturhaus Wien, Cairo International Festival for Experimental Theater